Mittwoch, 7. Oktober 2009

Von der Rohwolle zum Faden

Letzte Woche war in Lisas Schule eine Projektwoche zum Thema Mittelalter.

Eine Freundin und ich wollten gerne mitmachen und haben ein Projekt zum Thema Wolle angeboten:

Von der Rohwolle zum Faden

Wir hatten große Pläne: wir wollten Wolle waschen, peitschen, kardieren, spinnen, filzen, färben... Schon schnell war uns klar, daß wir nicht alles schaffen würden, und daß manche Dinge auch reichlich langweilig für die Kinder wären. Wir wollten aber zumindest alles etwas anreißen.

Wir haben also ein Kilo Rohwolle gekauft und die Kinder erst einmal die Wolle befühlen lassen. Ganz schön fettig. Außerdem riecht die Wolle etwas streng. Wir haben die Kinder ein bischen Wolle waschen lassen, was zum Ergebnis hatte, daß jedes Kind ein zwar sauberes, aber verfilztes Stück Wolle in der Hand hatte.

Bei dem zweiten Waschversuch wußten wir dann, daß man die Wolle nur ganz vorsichtig waschen kann. Wir haben die Wolle gut eingeweicht, später dann in der Badewanne meiner Freundin. Abends haben wir die verwendbare Wolle rausgefischt und zum Trocknen aufgehängt.


Die trockene Wolle haben wir dann auseinandergezupft und anschließend mit dünnen Stöcken gepeitscht. Das war lustig :-) Kurz vorher hatten wir das Märchen von Frau Holle gelesen und nun hatten wir Wollschnee im Klassenzimmer.

Einen Teil dieser Wolle haben wir noch kardiert.

Parallel haben wir aus (gekaufter) Vlieswolle Platten gefilzt.


Aus den Platten haben wir Taschen zugeschnitten und diese erst gebeizt und dann eingefärbt. Es hat in der Schule ganz schön gestunken :-) Nun wußten die Kinder auch, warum es im Mittelalter spezielle Färberviertel gab. Wie schon bei unserem Versuch hat das Färben wunderbar geklappt.


Aus den bunten Filzplatten haben wir dann Täschchen genäht. Natürlich nach einem mittelalterlichen Schnitt.


Aus den Färbeergebnissen unseres vorherigen Tests hatte ich mir natürlich auch ein Täschchen genäht. Selbstverständlich ist es letztendlich bei Lisa gelandet.


Zwischendurch haben wir immer wieder Handspindeln rausgeholt und mit den Kinder versucht Fäden zu spinnen. Die größeren haben es prima hinbekommen. Für die Kleinen war es noch etwas schwierig. Am Spinnrad hatte ich schon zwei Spindeln vorbereitet. Alle Kinder durften dann versuchen, die Fäden zu verzwirnen.

Jedes Kind hat auch noch einen Karton mit 16 Fächern bekommen, in den es unterschiedliche Wollsorten, Rohwolle, gewaschene Wolle, kardierte Wolle, Färbemittel, Filzstücke,... reintun konnte.


Es war ein tolles Projekt. Zuerst einmal hatten meine Freundin und ich einen Grund, uns intensivst mit dem Thema Wolle zu befassen. Mich hat das Spinnen völlig gepackt (hat zufällig jemand ein Spinnrad für mich?). Dann war es klasse, über mehrere Tage ein Projekt durchzuführen, da man einfach mal ganz viel Zeit hatte und entsprechend viele Dinge machen konnte. Und dann waren die Kinder noch so toll. Kinder im Grundschulalter springen auf alles an. Ohne Hemmungen probieren sie alles aus und lassen sich so richtig begeistern. Sie fassen auch so schnell Vertrauen zu einem. Es ist ein tolles Gefühl, über den Schulhof zu gehen, und von allen Seiten höre ich ein "Hallo Anja" und sehe ein Strahlen in den Kindergesichtern.

2 Kommentare

Zaubermasche hat gesagt…

Das sieht aber schön aus!!
Die Kinder hatten bestimmt großen Spaß bei der ganzen Aktion. Finde ich toll!

Liebe Grüße
Marilena

siggi hat gesagt…

schön, dass es so engagierte mütter wie dich gibt, die sich trotz arbeit, kind, haushalt.... ach ja... NÄHEN ;o) für so große, wunderschöne projekte zeit nehmen.
ich bin sicher, da ist ganz viel bei den kindern angekommen!
schade, dass du nicht an unserer künftigen grundschule bist *gg*
lg...siggi, die sich schon sehr auf dienstag freut!!